meni Kommunikation
Die App Clubhouse – nur Locker Room Talk oder ungeahnte Möglichkeiten?
15.03.2021
Version 1.0
Michelle Gänswein

Als Florian mich gebeten hat, einen Blogbeitrag über die Möglichkeiten und Chancen von Clubhouse zu schreiben, musste ich erstmal schlucken. Hatte ich doch erst 24 Stunden vorher meine Moderation eines morgendlichen Raums in der App gekündigt.

Ich frage also erstmal jemanden, der Clubhouse wesentlich mehr nutzt als ich: Ralf Leister, Moderator und CX-Experte, den ich über einen gemeinsamen Kollegen, Tom Fischer, auf Clubhouse kennengelernt habe. Tom fragte mich, ob ich mit ihnen den jeden Morgen um 7:00 Uhr stattfindenden Raum Kaffee für die Ohren moderieren wolle. Durch das Adrenalin meiner Bühnenangst morgens fitter aus dem Bett kommen? Count me in!

Ralf hatte nach nur sechs Wochen Clubhouse schon über 20.000 Follower:innen – und es werden täglich mehr. Er sieht die Nachteile von Clubhouse, aber eben auch die Vorteile. Ich habe ihn gebeten, mir zu helfen.

„Hey Michelle. Clubhouse bietet uns die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen – und das konform mit allen AHA-Regeln dieser Welt. Vom Küchentisch, Sofa oder gar aus dem Bett heraus können wir uns über einen Klick mit der ganzen Welt austauschen. Bei Clubhouse wird Zuhören größer geschrieben als Reden. Die Plattform ist deshalb nicht für Jedermann bzw. -frau geeignet. Das war bei Instagram, TikTok & Co aber auch schon so. Sie ist aber ideal zum Lernen und Kontakteknüpfen und definitiv einen Test wert.“

Ich stimme Ralf zu. Gerade in diesen Zeiten, in denen wir zu Distanz gezwungen sind, sind solche Formate sinnvoll. Auch, weil Clubhouse so spontan ist. Es reden plötzlich Menschen miteinander, die sich normalerweise erst mit ihren Managements hätten abstimmen müssen, um dann einen Podcast-Termin mit geskripteten Texten auszumachen.

Was könnte die App für die Kommunikation mit unseren Kunden und unserem Netzwerk bringen?

Wir alle haben eine Gemeinsamkeit. Wir tragen täglich, jede Sekunde, etwas mit uns herum, das manchmal fast schon in Vergessenheit gerät. Es ist etwas, was von großer Bedeutung ist, wenn wir es richtig nutzen. Wenn wir es weitergeben und teilen und stetig erweitern: Unser Wissen.

Jeder trägt eine Schatzkammer bestehend aus Wissen mit sich herum und diese nicht zu teilen, wäre doch schade. Wir zum Beispiel kennen uns gut mit virtuellen und hybriden Events aus. Warum also nicht einen Clubhouse-Raum dazu planen und sich mit Kolleg:innen dazu austauschen oder vielleicht noch besser: Mit Leuten, die sich auf diesem Gebiet nicht gut auskennen, aber beruflich oder privat dazu „gezwungen“ sind, sich damit auseinanderzusetzen.

Idee 1: Firmeneigene Vorträge auf Clubhouse verlegen

… oder sie dort zumindest auch anbieten.
Mit Florian habe ich letztens erst einen Vortrag über Zoom über virtuelle Kollaborationen und hybride Events gehalten. Es war eine interessierte Runde von 30 Menschen, die anschließend noch Fragen zum Thema Online-Events stellten.

Was aber, wenn wir den nächsten Vortrag auf Clubhouse halten und es weniger Vortrag, aber mehr Austausch würde? Das könnte für alle Beteiligten fruchtbarer sein und ist auf jeden Fall ein Versuch wert.

Idee 2: Denken wir mal etwas verrückter. Können wir auch Bewerbungsgespräche über Clubhouse führen?

Wir sind gerade wieder auf der Suche nach einem Praktikanten oder einer Praktikantin. Wenn wir unsere Social-Media-Kanäle nutzen, eine Talk-Runde auf Clubhouse zu bewerben, in der wir potentielle Mitarbeiter:innen kennenlernen wollen, würde das funktionieren?

Würden damit die negativen Aspekte eines Bewerbungsgespräches wegfallen? Das manchmal an ein Verhör erinnernde Sich-gegenüber-Sitzen. Einflüsse, die uns zu sehr vom Eigentlichen ablenken, wie das Aussehen oder die Sauberkeit der Schuhe oder das Mohnkorn zwischen den Zähnen?

Idee 3: Leads generieren, Beschnuppern inklusive.

Zugegeben: Nicht sehr originell, aber über Clubhouse-Räume wollen wir natürlich auch mit potentiellen Kund:innen in Kontakt treten. Wir kennen uns mit Themen aus, mit denen sich wiederum Andere im Alltag nicht beschäftigen müssen.

Eine Messe virtualisieren? Eine digitale Weihnachtsfeier, die nicht total uncool ist? Das große Firmenjubiläum, das in zwei Jahren ansteht? We got you. Wir als Agentur sind genau dafür da, diese Aufgaben zu übernehmen. Dass man uns aber erstmal beschnuppern möchte, ist nur menschlich, absolut nachvollziehbar und auch in unserem Sinne. Also warum nicht mal dazu einen Raum aufmachen? Die, die interessiert sind, werden ihn schon finden.

Idee 4: Kurze Meinungsbilder einholen, for free.

Welche Art von Interaktion hat euch bei einem virtuellen Event bisher am besten gefallen?
Wärt ihr bereit mehr zu zahlen, wenn ihr dafür einen Goodie Bag zugesendet bekommt?
Viele kurze oder eine lange Pause?
Clubhouse ist eine App mit tausend Türen, im wahrsten Sinne des Wortes kann man einen Raum betreten und ihn wieder verlassen, wenn es einem nicht gefällt. Warum machen wir nicht eine Fragerunde, mit Themen die uns interessieren, mit Ideen, die die Events für Gäste noch besser machen?

Auf Clubhouse gibt es keine Pflicht zu reden, selbst wenn man einen Raum betritt. Es melden sich also nur die, die auch wirklich etwas sagen wollen. Und wenn sie ihre Erfahrungen und Meinungen mit uns teilen wollen: win-win. Denn wir wissen, wie wir noch bessere Events machen können und der Gast hat auch was davon, wenn digitale Events immer besser werden.

Idee 5: Feierabend-Talk mit den Kolleg:innen

Wer kennt es nicht? Man versteht sich mit seinen Kolleg:innen total gut, aber irgendwie spricht man sich nur während der Arbeit. Gerade in den aktuellen Zeiten, wo man sich abends leider nicht auf einen Apéro treffen kann. Warum nicht mal was Neues versuchen: Telefonate und Zoom ist für die Arbeit, Clubhouse fürs Private. Ist vielleicht mal ganz angenehm, Abwechslung in die virtuellen Räume zu bringen.

Dazu kann man ganz einfach einen geschlossenen, also privaten Raum öffen. So stolpern dann auch keine Fremden rein. Und man kann ausmachen, dass man immer der Reihe nach ein Überthema festlegen kann. Fitness, Musik, Ziele, Essen. Jaja, ich weiß, iPhone only. Aber bald geht es ja vielleicht für alle Betriebssysteme.

Fazit

Clubhouse ist facettenreich, erfordert unsere volle Aufmerksamkeit, weil alles live ist. Die Social Audio-App eröffnet Konstellationen und Einblicke, die es so sonst vielleicht in Podcasts oder anderen sozialen Medien nicht gibt.

Das Spannende ist, dass es die App erst so kurz gibt. Wir stehen also erst am Anfang.
Mal sehen, was uns die App noch bescheren wird. Oder ob es sich – wie zum Beispiel Google Glass – nur für ganz bestimmte Zwecke und Nutzungsarten durchsetzen wird.

Oder ob es vielleicht doch der vielbeschworene Hype bleibt. Oder, oder, oder.

Wir sehen uns im Hör-Raum. Und seit einigen Tagen gibt es auch einen Clubhouse-Club von Spielplan4. Was das jetzt wieder ist? Folgt dem Spielplan4-Club und probiert es aus.

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