meni Change
9 Fragen zur Digitalisierung mit Solveig Schwarz
04.08.2021
Version 1.0
Solveig Schwarz und Michelle Gänswein

 

Liebe Solveig, Du bist eine der treibenden Kräfte hinter der Digitalisierung für unser schönes Freiburg. Du arbeitest als Projektkoordinatorin Digitales im DigIT, Freiburgs Amt für Digitales und IT und befasst Dich täglich mit der digitalen Transformation der Stadt.

Als Agentur beschäftigen wir uns regelmäßig mit dem Thema Wandel in der Arbeitswelt und in der Wirtschaft, meistens indem wir Gespräche und Diskussionen kuratieren und live auf die Bühne bringen. Nicht nur in unserem Team, sondern auch in der Community, zum Beispiel in Florians Podcasts „Expedition Arbeit“ und „Geiler Laden“, die sich genau damit beschäftigen.

Doch wir wollen auch regelmäßig in andere Branchen und Lebensbereiche schauen und wollen verstehen, wie sich Wandel dort vollzieht und wo er noch zu wünschen übriglässt.

Solveig, gemeinsam mit Dir wollen wir heute einen Blick auf die Digitalisierung einer Stadt werfen.

 

 

  1. Was bedeutet Wandel für Dich ganz persönlich? Oder anders ausgedrückt: Was ist das Erste woran Du denkst, wenn Du das Wort Wandel hörst?

Wandel ist für mich inzwischen ein positiv besetztes Wort, was nicht immer so war, denn Wandel macht vielen erst Mal Angst und kann als Bedrohung gesehen werden. Aus diesem Grund sind für mich ein paar Dinge essenziell: Der Grund für Wandel muss kommunikativ gut begleitet werden; nimmt man das Thema Digitalisierung, ist dieses erstmal abstrakt. Man sollte den Menschen sensibilisieren, jeder muss verstehen, warum die Notwendigkeit zum Wandel da ist und was es mit einem selbst und der eigenen Arbeit zu tun hat.

Natürlich helfen auch noch andere Faktoren, die den Wandel leichter machen, das fängt bei einem festen Arbeitsverhältnis an, geht über teamfähige Kollegen bis hin zu einem wertschätzenden Chef. Dieses Fundament macht es für mich möglich, sehr viel positives in der Veränderung und im Wandel zu sehen.

 

  1. Eine Stadt digitalisieren. Wie kann man sich das vorstellen? Was genau machen Dein Team und Du?

In unserem Fall ist der erste Schritt definitiv die Freiburger Digitalisierungsstrategie, die 2019 durch den Gemeinderat verabschiedet wurde. In dieser finden sich neben sechs Themenfeldern auch ganz konkrete Maßnahmen. Die Strategie ist mit einem Zeitlauf bis 2026 versehen. Für die Umsetzung der Projekte braucht es Gelder, die entweder durch den Gemeinderat freigegeben werden müssen, oder durch Förderprogramme akquiriert werden müssen.

Im Vergleich zu anderen Städten richten wir unseren Fokus beim Digitalisieren auf die Lebenswirklichkeit der Menschen. Leuchtturmprojekte, die viel kosten, aber weit vom Leben der Bürger_innen weg sind, wäre gegensätzlich zu unserer Strategie.

Natürlich gibt es auch rein technische Themen, der Ausbau der Infrastruktur oder die Ausstattung der Verwaltung, um in Coronazeiten im Homeoffice oder an geteilten Arbeitsplätzen (shared-desk concept) zu arbeiten. Das sind handfeste, kostenintensive, aber wichtige Investitionen in die Zukunft.

 

  1. Was daran ist die größte Schwierigkeit?

Unsere Themen sind komplex, vielschichtig und nicht mit wenigen Worte zu vermitteln. Hier ist es unsere Aufgabe unsere Projekte für alle verständlich zu kommunizieren, am besten mit konkreten Beispielen, was natürlich nicht immer einfach ist.

Zudem ist Digitalisierung ein Querschnittsthema. In der Verwaltung haben wir eine klassische Organisationsstruktur und denken in Zuständigkeiten. Das macht es, wie du dir sicher vorstellen kannst, nicht immer einfach, Themen voranzubringen.

 

  1. Gibt es auch Aspekte, die schon richtig gut laufen, sinnvoll sind und (erstmal) so bleiben können?

Ja, klar. Es ist ein sehr dynamisches Feld und es passiert viel. Sicherlich finden auch nicht alle unsere Arbeit gut und vielen Bürger_innen geht es zu langsam. Das kann ich nachvollziehen. Zudem sind die Abhängigkeiten z.B. von Land oder Bund nicht zu unterschätzen, das ist komplex und Bürger_innen wissen das auch nicht, müssen sie auch nicht. Ein Beispiel: Den Wunsch, schneller und komfortabler Dinge online zu erledigen, die in Verbindung mit der Verwaltung stehen, kann ich sehr gut nachempfinden. Wir haben heute ein anderes Empfinden, was guter Service ist und wie lange und komplex so ein Vorgang sein darf.

Beispiele für Dinge, die richtig gut laufen sind Förderprojekte, zu denen wir den Zuschlag erhalten haben. Z.B. der 1. Digitaltag, mit dem wir erfolgreich Menschen vernetzt haben und digitale Themen für einen Tag in den Mittelpunkt gestellt haben. Oder unser erstes Smart City Projekt namens DATEN:RAUM:FREIBURG. Und nicht zu vergessen der „Corona Booster“ Home Office, der flexibles, digitales Arbeiten massiv gefördert hat, da stehen wir gut da.

 

  1. Auch das Thema Unternehmertum beschäftigt uns als Agentur. Welchen Wandel beobachtest Du in Unternehmen, den Du für zukunftsfähig hältst – und welchen hältst Du für Unsinn?

Ich halte wenig davon, dogmatisch alles digitalisieren zu wollen und die rein technisch/wirtschaftlichen Aspekte in den Vordergrund zu stellen. Sehr wohl ist es aber sinnvoll, sowohl die Vorzüge des analogen, wie auch des digitalen zu kennen und diese flexibel zu nutzen. Das verstehe ich darunter, dem Wandel gegenüber offen zu sein.

Ein Beispie zur Veranschaulichung: Ein lebendiger Workshop mit Moderationskarten und Menschen die lebendig diskutieren, bereiten mrt mehr Freude als dies digital zu tun. Eine Fortbildung, die aus reiner Wissensvermittlung und somit aus einem Frontalvortrag besteht, kann ich mir besser in einem digitalen Format vorstellen, bei dem ich auf Pause drücken kann, Dinge nachschlagen kann usw.

 

  1. Etwas im Leben Deiner Urgroßeltern, das heute normal, damals undenkbar war?

    Ein Leben ohne Krieg in Deutschland/Europa.

     

  2. Etwas im Leben Deiner Urgroßeltern, das damals undenkbar, heute normal wäre?

Wenn du die Frage auf digitale Themen beziehst, dann würden meine Urgroßeltern wahrscheinlich ziemlich erschrecken, wie viel Zeit ich für Podcasts und Serien aufwende. Mein Urgroßvater saß lieber in der Abendsonne auf seiner Bank vorm Haus, hat seine Oleander bewundert und gewartet, bis der nächste Besuch kam. Oder er hat seine nächsten Projekte als Flaschner geplant. Das ist ein Bild, dass sich in meine Erinnerungen eingebrannt hat. Eine ziemlich andere aber schöne Welt – (lacht) ich glaub ich kauf mir gleich mal ein Bänkle.

 

  1. Gibt es etwas, worüber Du Deine Meinung schon mal um 180 Grad geändert hast?

180° ist schon ziemlich viel. Das trifft womöglich zu für meine Arbeit in einer Stadtverwaltung. Früher habe ich meine berufliche Laufbahn im Marketing/Event-Bereich gesehen, nach meinem ersten Arbeitgeber allerdings gemerkt, wie wichtig es mir ist, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun. Das kann man bei der Stadt tun und damit hat sich das negative Bild einer Verwaltung ziemlich verändert. 180° kann ich nicht sagen, weil wie in jeder Organisation gibt es auch hier viele Dinge, die ich gerne verändern würde.

 

  1. Und was soll sich Deiner Meinung nach niemals ändern? 🙂

Niemals soll sich meine Einstellung zur Veränderung verändern, denn alles andere verändert sich eh, ob ich es festhalten oder gerne ziehen lasse will.

 

 

 

Das könnte Sie noch interessieren
Das könnte Sie noch
interessieren
meni Change
Creative Club: Ideen Schutzraum und Konzept-Labor
meni Denkangebote
Future Leadership- Ausbildung – zwangsweise neu erfunden